Geotargeting (Synonyme: Geolocation/Geolokation) ordnet IP-Adressen oder IPTC/XMP ihrer geografischen Herkunft zu.

IP-Adressen können zwar wegen Verfahren wie dynamischer IP-Vergabe, Proxyservern oder NAT nicht immer eindeutig einem Internetnutzer zugewiesen werden, jedoch immer einem Besitzer. Hierbei handelt es sich hĂ€ufig um Internetprovider, UniversitĂ€ten und Ă€hnliche Einrichtungen, die nicht nur eine IP-Adresse, sondern AdressrĂ€ume verwalten. Der Besitzer einer IP-Adresse kann frei entscheiden, welchem Netzknoten er welche Adresse zuteilt. Obwohl die Zuteilung im Prinzip schnell geĂ€ndert werden kann, wird von dieser Möglichkeit nur selten Gebrauch gemacht. Der dafĂŒr entstehende Verwaltungsaufwand ist nicht zu unterschĂ€tzen. Dadurch kann aus einer einmal festgestellten Geoposition einer IP-Adresse auf einen Wochen spĂ€ter noch aktuellen Zusammenhang geschlossen werden. Da regionale Einwahlknoten hĂ€ufig einen eigenen festen IP-Adresspool besitzen, funktioniert das Verfahren meist bei dynamischer IP-Vergabe ebenfalls. Beim Einsatz von Proxyservern kann maximal der Standort jenes Servers, jedoch nicht der des eigentlichen Nutzers ermittelt werden.

„Geointelligenz“ geht einen Schritt weiter: Der Standort der Internetnutzer wird mit Regeln verknĂŒpft, die auf der geographischen Herkunft des Internetnutzers basieren. Wenn ein Internetbesucher aus Deutschland eine Website aufruft, erhĂ€lt er andere Inhalte als ein gleichzeitiger Besucher derselben Website aus Frankreich oder den USA. IP-Intelligenz erweitert die reine geografische Sicht um qualitative Faktoren wie die Verbindungsgeschwindigkeit oder den identifizierten ISP des Nutzers. Ein Kabelnetzanbieter kann davon Gebrauch machen und den Besuchern gezielte Wechsel-Angebote unterbreiten, ohne dass der Besucher eigene Angaben machen muss.

Geolokationssoftware hat zum Ziel, mit Hilfe der IP-Adresse den Standort von Personen oder Systemen möglichst genau zu bestimmen. Mitunter werden auch vom Erzeuger bereits Geo-Tags auf Fotos oder Videos gesetzt. Um einheitliche Voraussetzungen vorzugeben, wurde mit der W3C Geolocation API eine geeignete Schnittstelle geschaffen.


Anwendungsbeispiele


  • Eine profitable Anwendung ist Geomarketing. Die meisten Online-Werbefirmen bieten ihren Kunden auf Basis von Geotargeting die Schaltung national oder sogar regional differenzierter Werbung an (Ad Targeting). Besucher sehen Anzeigen, die – unabhĂ€ngig vom Standort der aufgerufenen Seite – ihren derzeitigen Aufenthaltsort als Zielmarkt ansprechen. Eine besondere Relevanz erfĂ€hrt das Geotargeting im Account Based Marketing. Dabei werden die Adressen der Zielkunden als Targeting-Kriterium genutzt.

  • Webcontrolling-Anbieter integrieren Geointelligenz in ihre Produkte, um eine geografische Besucheranalyse zu ermöglichen. Der Webseitenbetreiber kann sehen, aus welchen LĂ€ndern und Regionen die Besucher kommen.

  • PayPal verwendet Geolocation zum Schutz vor Betrug, um Onlinezahlungen auf regionale Unstimmigkeiten zu ĂŒberwachen und schließt Transaktionen aus, die aus mit Sanktionen belegten LĂ€ndern (laut OFAC-Liste) zu kommen scheinen.

  • Loudeye Inc. benutzt Geolocation in der Marktforschung, um regionale Nachfrageunterschiede besser abzubilden oder die eigenen Direktmarketingmaßnahmen zu optimieren.

  • DidTheyReadIt bietet als E-Mail-Serviceanbieter nicht nur die Information, ob eine Nachricht geöffnet wurde, sondern auch wo dieses geschehen ist (E-Mail-Location).

  • DigitalEnvoy bietet neben den Datenbanken zu allen verwendeten IP-Adressen auch Produkte, welche E-Mails auf geografische PlausibilitĂ€t ĂŒberprĂŒfen. Diese Produkte vergleichen die Geografie des E-Mail-Headers mit der Geografie des E-Mail-Body. VerdĂ€chtige E-Mails werden gegebenenfalls blockiert oder an PrĂŒfroutinen zum Schutz vor Phishing ĂŒbergeben.

  • Video-on-Demand-Anbieter verwenden Geoblocking, da SportverbĂ€nde und Filmverlage die Verwertung ihrer Inhalte an territoriale Grenzen binden. Beispiele hierfĂŒr sind CinemaNow und Disney.

  • E4X nutzt Geointelligenz, um E-Commerce-Site-Besuchern automatisch die richtige WĂ€hrung anzubieten.

  • Google und viele Andere personalisieren ihre Angebote, indem sie die Benutzer automatisch auf die Seite in der Sprache des Benutzers fĂŒhren.

  • Content-Distribution-Netzwerke optimieren die Lastverteilung zwischen ihren Servern durch Geointelligenz. Die Unternehmen sparen dadurch Kosten und bieten bessere Downloads durch Traffic-Management.

  • FĂŒr teilautomatisierte telemedizinische Betreuungs- oder Versorgungssysteme bedeutet die Geo-Lokalisierung von Patienten eine notwendige Facette aller möglichen Lokalisierungs-Techniken. Es laufen Feldstudien vor allem zur Notfallversorgung, wie bei Myokardinfarkten. Einfache Applikationen wie rasche Lokalisierungen eines spezialisierten Behandlungszentrums werden erprobt.

  • Unternehmen mit Filialen können Besuchern ihrer Website mit Hilfe von Geotargeting einen passenden Standort zuweisen.

  • YouTube bietet bestimmte Videos aufgrund von Lizenzfragen in einigen LĂ€ndern nicht an. Dies wird dem Nutzer mit einer Meldung angezeigt („Dieses Video ist in Ihrem Land nicht verfĂŒgbar“).

QualitÀt der Geotargetingverfahren


Die QualitÀt der Verfahren wird anhand folgender Parameter beschrieben:


  • DatenvollstĂ€ndigkeit beschreibt wie viele der weltweit verwendeten IP-Adressen das Verfahren abbildet. Eine zuverlĂ€ssige Technologie sollte 99,99 % der im Gebrauch befindlichen IP-Adressen abdecken.

  • Datengenauigke
















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